Heiko Richter im Interview: “Die Stadthalle ist auf einem guten Weg”

Heiko Richter im Interview: “Die Stadthalle ist auf einem guten Weg”

Heiko Richter ist seit fast zwei Jahren Eventmanager der neuen Falkenseer Stadthalle und gleichzeitig Veranstalter seiner eigenen Musik- und Partyreihen. Der „Stimmungsmacher“ der Stadt schlechthin gibt im Interview einen Einblick über die Entwicklung und Nachfrage der Location und einen Ausblick auf dieses Veranstaltungsjahr.

Im April jährt sich der Veranstaltungsbetrieb in der Stadthalle zum zweiten Mal. Wie ist dein Zwischenfazit als Veranstaltungsmanager der Location und anderseits als Veranstalter?

Mir war klar, dass sehr viel Arbeit auf die Verantwortlichen, Techniker und mich als ersten Ansprechpartner zukommen würde und es ist sogar noch mehr geworden als gedacht. Wir sind meiner Meinung nach auf einem sehr guten Weg, was auch die Zahlen untermauern: Im ersten Jahr hatte die Stadthalle bereits 88 Veranstaltungstage, im zweiten sind es schon 102. Vom ersten großen Konzert mit Mark Forster über den Kirchentag, Messen und Zeugnisübergaben konnten wir bereits ein großes Spektrum in der neuen Multifunktionshalle abdecken. Besonders freut mich, dass wir nun die Abi- und Abschlussbälle für die Schulen in Falkensee und Umgebung ausrichten können, was vor Ort leider jahrelang nicht möglich war. Mein Telefon bimmelt jedenfalls nahezu ununterbrochen, denn durch die unterschiedlichen Events entstehen immer wieder neue Herausforderungen, die sehr viel Koordination mit den Veranstaltern, Technikern und Gästen abverlangen. Da sind wir und vor allem ich immer wieder gefordert, nachzujustieren und zu verbessern, um ein schönes und passendes Ambiente für eine gute Atmosphäre zu schaffen.

Am 24. März tritt Kerstin Ott, die mit ihrem Song „Die immer lacht“ im gesamten deutschsprachigen Raum einen Megahit gelandet hat, in der Stadthalle auf. Auf welche Highlights können sich die Falkenseer im Jahr 2018 noch gefasst machen?

Mich freut es sehr, dass sich Kerstin Ott und ihr Veranstalter für den Event-Standort Falkensee entschieden haben. Die Nachfrage ist so groß, dass das Konzert in Windeseile ausverkauft war und es sogar einen Zusatztermin geben wird. Am 29. März, also fünf Tage später, spielt sie ein zweites Konzert. Auch unsere Wahl-Falkenseerin Désirée Nick wird am 1. März in die Stadthalle kommen, um aus ihren Bestsellern zu lesen. Anschließend gibt es genügend Zeit für Fragen, Fotos und Autogramme. Nino de Angelo wird bereits zum zweiten Mal hier auftreten, was für uns als Veranstaltungscrew ein gutes Zeichen ist. Mein ganz persönliches Highlight ist aber „Remode“, die „beste Depeche Mode-Tributeband“, deren Weg ich schon seit Jahren mitbegleiten darf. Sie haben mal „ganz klein“ im Partyzelt am Kreisverkehr angefangen und sich seitdem enorm entwickelt.

Désirée Nick liest in der Stadthalle am 1. März aus ihren Bestsellern

Wie nimmst Du die Konkurrenz zum übermächtigen Event-Standort Berlin wahr? Hat die Falkenseer Stadthalle einen Standortnachteil?

Die Nähe zu Berlin ist sicher nicht unbedingt von Vorteil. Mit der Bahn fahren die Leute in zwanzig Minuten in die City und kriegen an jeder Ecke etwas geboten. Dazu kommt, dass viele Menschen, die in Falkensee leben, in Berlin arbeiten und auch ihre Freizeit dort verbringen. Dadurch ist die Stadthalle für diese Einwohner noch nicht immer so im Fokus – daran arbeiten wir aber unentwegt. Ziel ist es, die Falkenseer in Ihrer Stadt zu halten und ihnen möglichst viel zu bieten. Wir sind dabei, unsere Nischen für die Location zu finden, ziehen trotzdem auch „größere Namen“ nach Falkensee und sind sehr zuversichtlich, dass die Entwicklung weiterhin positiv verläuft. Wir dürfen nicht vergessen, was hier möglich ist und was nicht. Wir sollten nicht versuchen, uns mit den ganz großen Arenen zu messen, denn unsere Kapazitäten sind im direkten Vergleich natürlich begrenzt. Wenn wir unsere Möglichkeiten erkennen und ausschöpfen, unsere zweifelsohne vorhandenen Vorteile gezielt zu nutzen und vor allem alle an einem Strang ziehen, sind wir auf einem guten Weg.

Ist eine solche Nische die Ausrichtung von Messen und Konferenzen?

Definitiv auch, ja. Mit der „Havellandbau“, der Baumesse, die bereits Anfang Januar stattfand und der Hochzeitsmesse Ende Februar haben wir zum Jahresbeginn zwei sehr attraktive Veranstaltungen in der Halle. Ich stelle fest, dass wir in dieser Sparte nach und nach mehr Aufmerksamkeit auf uns ziehen. Erst in der letzten Woche hatten wir eine große Ärztekonferenz im Haus. Ein Pluspunkt ist hierfür unser Komplettpaket in Sachen Räumlichkeiten, Technik, Organisation und Versorgung für Leib und Wohl. Für die Auslastung sind solche Veranstaltungen wichtig, weil sie nicht zwingend an eine Jahreszeit oder an die Wochenenden gebunden sind wie die „Verkehrssicherheitstage“ Ende November letzten Jahres. Die Stadthalle ist multifunktional und genau solche Veranstaltungen wollten wir von Beginn an auch etablieren. Und wenn die Organisatoren nach der Veranstaltung wiederkommen und Termine für zukünftige Events buchen, ist das ein gutes Zeichen. Dann waren sie mit der Halle und uns zufrieden. Bisher kamen alle wieder und das trotz eines massiven Problems: Unter der Woche sind die Parkplätze vor der Halle tagsüber leider komplett belegt. Inzwischen planen wir das Problem auf dem Park-and-Ride-Gelände nun bei Tagesveranstaltungen unter der Woche durch den Parkplatz am neuen Sportgelände an der Rosenstraße zu kompensieren. Über kurz oder lang sollte hier aber eine dauerhafte Lösung vor Ort gefunden werden. Neu ist auch die Reihe „Live im Foyer“. Hier organisieren wir nun kleinere Eventformate, mit denen wir die große Veranstaltungshalle nicht auslasten würden. Diese verlegen wir zukünftig also ab und an ins Foyer und schaffen so eine Art „Club-Atmosphäre“ – kleiner, intimer und speziell für Liebhaber von herzlicher, bodenständiger Livemusik abseits des Mainstreams.

Bevor Du Eventmanager wurdest, warst Du für die Ausrichtung des „Partyzelts“ bekannt, in dem Veranstaltungen wie die Oldie-Party und Auftritte von Coverbands stattfanden. War es schwierig diese Formate in die Stadthalle zu transferieren?

Durch den Verkauf der Fläche am Kreisverkehr des Spandauer Platzes musste ich einen anderen Weg finden, diese Events am Leben zu halten. Sie ersatzlos zu streichen, war für mich keine Option, da der Zuspruch für diese Veranstaltungen über Jahre sehr groß war und die Etablierung über Jahre viel Aufwand gekostet hat. Also habe ich versucht, sie zumindest teilweise in die Stadthalle zu holen. Natürlich ist das Ambiente ein komplett anderes und war für viele Feierwütige erst mal ungewohnt, trotzdem bin ich mit dem „Umzug“ zufrieden. Atmosphärisch verbessern wir die Events von Mal zu Mal und insbesondere qualitativ, räumlich und technisch bedeutet die Stadthalle für diese Partys einen Quantensprung. Und wir erreichen auch Leute, die damals wahrscheinlich nicht ins Zelt gekommen wären.

Dein Pub, das „Schrääg rüber“, in dem auch viele Veranstaltungen stattfanden, gibt es seit Dezember nicht mehr. Der Höhepunkt des „Schrääg“-Jahres war über zwei Jahrzehnte die „Herrentagsparty“ in und vor der Kneipe, bei der Volksfestatmosphäre herrschte. Wie sehen diesbezüglich Deine Planungen für 2018 aus?

Auch was den Herrentag angeht, habe ich keinen Gedanken daran verschwendet, diesen für viele Falkenseer und auch für unzählige Gäste von außerhalb fest eingeplanten Termin ersatzlos zu streichen. Das „Schrääg-Feeling“ werden wir wahrscheinlich nicht eins zu eins transportiert bekommen, dennoch glaube ich fest daran, dass auch auf dem neuen Campusplatz hinter der Stadthalle eine ähnlich gute Stimmung aufkommen wird. Die letzten beiden Stadtfeste, die bereits dort stattfanden und stark frequentiert wurden, geben allen Anlass dazu, mit Mut und voller Vorfreude auf den 10. Mai zu blicken – und wer weiß: vielleicht wird es ja sogar noch eine Steigerung und besser als jemals zuvor.