Ein Jahr Stadthalle: Interview mit Veranstaltungsmanager Heiko Richter

Ein Jahr Stadthalle: Interview mit Veranstaltungsmanager Heiko Richter

Interview aus der aktuellen Ausgabe von Falkensee Aktuell. Text und Foto: Carsten Scheibe

 

Die Stadthalle Falkensee wird am 1. April ein Jahr alt. Wie viele Veranstaltungen hat die Halle in einem Jahr gesehen?
Veranstaltungsmanager Heiko Richter: Wir können im ersten Jahr bereits auf sage und schreibe 88 Veranstaltungstage zurückblicken – und das quasi „aus dem Stand“. Auch die Vielfältigkeit der Veranstaltungen kann sich sehen lassen. Wir hatten schon im ersten Jahr Theateraufführungen, Musicals, klassische Konzerte, Tanzshows, Kinderprogramme, Lesungen und natürlich viel Livemusik: von Volksmusik über Schlager, Blasmusik und Rockmusik bis hin zu Pop und traditioneller irischer Musik war die gesamte vorstellbare Bandbreite vertreten. Auch bekannte Namen waren natürlich schon dabei: Während Patrick Lindner, Christian Anders, Toni Marschall und Michael Hirte bekannte Vertreter aus Schla- ger und Volksmusik sind, hatten wir mit Cora, Harpo und Markus auch schon Stars der 70er und 80er-Jahre in der Halle. Die Jüngeren waren natürlich von Mark Forster begeistert und auch Erol Sander hatte viele (überwiegend weibliche) Fans.

Was waren deine drei persönlichen Lieblingsveranstaltungen im vergangenen Jahr?
Das kann ich gar nicht so genau sagen. Letztlich wahrscheinlich die, die man zum ersten Mal durchführt und die trotz großem Aufwand und einigen Fragezeichen im Vorfeld letztlich super funktioniert haben. Abi- und Abschlussbälle zum Beispiel – oder Silvester: Das waren alles aufwändige Veranstaltungen, die umfangreiche Vorbereitung mit Liebe zum Detail verlangen und die aufgrund des besonderen Anlasses für alle Gäste besondere Veranstaltungen werden sollen. Natürlich war auch Mark Forster ein Highlight – da hatten wir das erste Mal volles Haus und somit die erste Feuerprobe, die die Halle zu bestehen hatte. Für mich persönlich war natürlich wichtig, wie die Veranstaltungen angenommen werden, die ich ja über Jahre im Partyzelt am Kreisverkehr etabliert habe und die jetzt quasi in die Halle „umgezogen“ sind – letztlich erfolgreich. Natürlich wird man niemals die Partyzeltatmosphäre in die Halle bekommen, aber man hat hier mehr Möglichkeiten.

Du bist der Veranstaltungsmanager. Bevor die Veranstaltung startet: Was muss hinter den Kulissen alles getan werden?
Das könnte lang werden – wie viel Platz haben wir hier für den Artikel? In Kurzform: Zuerst muss man natürlich Veranstalter nden, die sich in der Stadthalle einmieten und die bereit sind, ihre Produktionen hier aufzuführen. Denn was die meisten nicht wissen: die Events macht nicht die Stadthalle, sondern der jeweilige Veranstalter. Dann beginnen oft langwierige Vorabsprachen, Besichtigungen, Gespräche, Abwägungen, Vertragsverhandlungen und die Festlegung von diversen Eckdaten. Sobald der Termin steht, geht es an die eigentliche Vorbereitung der Veranstaltung – sowohl für die Veranstalter, als auch für uns. Die Werbung beginnt – Inhalte werden besprochen und formuliert, Veröffentlichungen vorbereitet, die Homepage „gefüttert“, Plakatierungen und sonstige Werbemaßnamen koordiniert und so weiter. Notwendige Dienstleister müssen je nach Art der Produktion hinzugezogen werden – Brandwachen, Sanitäts-Ersthelfer, Security, End- und Zwischenreinigungen sind nur einige Dinge, die koordiniert bzw. beauftragt werden müssen. Unter Umständen müssen auch noch andere Ämter kontaktiert und ggf. zusätzliche Anträge gestellt werden. Irgendwann wird dann die Schnittstelle zwischen Produktion und Technik-Team in der Halle hergestellt. Bühnenanweisungen und Technikanforderungen machen die Runde und werden bearbeitet, Bestuhlungspläne festgelegt und weitergeleitet. Sobald die Veranstaltungen online bekanntgemacht sind, verwandelt sich mein Büro in eine Telefonzentrale – zahlreiche Gäste rufen an und haben tausend Fragen … Gibt es noch Karten? Wo gibt es die? Gibt es auch online Tickets? Wann ist die Veranstaltung zu Ende? Gibt es eine Pause? Gibt es eine Tageskasse? Gibt es Rollstuhlplätze und so weiter – all das sind Fragen, die oft gestellt werden (übrigens zu JEDER Veranstaltung) – die Häufigkeit der Telefonate steigt, je näher der Termin rückt.

Im ersten Jahr gab es Kritik: Die Halle sei zu schmucklos, die Soundanlage nicht stark genug, der Halle fehle es an Charme. Was sagst du dazu und was kann man hier noch tun?
Ok – dadurch, dass die Halle für verschiedenste Anlässe genutzt wird, hat man sich entschieden, sie neutral zu gestalten. Natürlich wäre es bei manchen Veranstaltungen gut, farbige Wände oder andere Details zu haben, aber es finden ja auch Messen, Bälle und z.B. Einschulungen in der Halle statt. Wir versuchen derzeit viel mit Licht in Form von Ambiente-Beleuchtung zu lösen. Außerdem kann man auch mit Inventar (z.B. die Schirme) versuchen, die Atmosphäre zu verbessern. Wir suchen ständig nach Lösungen und sind natürlich noch nicht „fertig“. Das gleiche gilt für die installierte Beschallungsanlage – die ist grundsätzlich in Ordnung, aber bei bestimmten Veranstaltungsformen noch nicht optimal. Da die Anlage aber derzeit nur gemietet ist, kann man nach Ablauf der Mietzeit die Erfahrungen auswerten und entsprechend nachjustieren. Bis dahin müssen wir halt noch etwas experimentieren und improvisieren. Man darf aber nicht vergessen – wir sind gerade noch im Eröffnungsjahr.

Manche Veranstaltung war noch nicht ausgebucht, die Veranstalter hätten mehr Besucher gebraucht. Tatsächlich gibt es immer noch Falkenseer, die noch nie in der Stadthalle waren. Fahren die Falkenseer für Events lieber nach Berlin? Oder muss einfach noch mehr Werbung statt nden? Oder passen manche Veranstaltungen thematisch gesehen nicht nach Falkensee? Oder sind die Preise zu hoch – im Vergleich zu Berliner Events?
Da sprichst du einen wichtigen Punkt an. Augenscheinlich dauert es etwas länger als erwartet, dass die Falkenseer die Halle überhaupt „auf dem Schirm“ haben. Auch den idealen Weg, alle zu erreichen, haben wir noch nicht zu 100 Prozent gefunden, zumal ja bei jeder Veranstaltungsform das Zielpublikum anders ist. Außerdem schließe ich auch nicht aus, dass vereinzelte Themen in Falkensee schwierig sind – allein aufgrund der Altersstruktur und der Zusammensetzung der Bevölkerung. Natürlich ist die Nähe zu Berlin in dieser Beziehung kein Vorteil. Die Preise sind oft absolut vergleichbar, daher in meinen Augen eher kein Argument, zumal für einheimische Gäste ja Fahrkosten (und Fahrzeit) wegfallen. Das erste Ziel ist es also, die Falkenseer hier, also quasi „zu Hause“ zu halten und zu zeigen, dass man nicht nach Berlin fahren muss, um etwas zu erleben.

Auf Facebook war zu lesen: Der Veranstaltungsplan für 2017 füllt sich zunehmend. Was sind die Highlights für das aktuelle Jahr? Gibt es schon Anfragen für 2018?
In Kürze geht’s ja schon mit dem ersten bekannten Namen weiter – Nino de Angelo kommt im Rahmen seiner Deutschlandtour zu uns. Auch Walter Plathe ist kein ganz Unbekannter. Ich freue mich auf den ersten Tanz in den Mai und auf den ersten Sportlerball – alles Premieren und Themen, die seit Jahren aufgrund fehlender Räumlichkeiten in Falkensee nicht möglich waren. Natürlich gibt es auch 2018 und 2019 schon Termine und Anfragen – selbst mein 2020er Kalender hat schon die ersten Termine zu verzeichnen.

Setzen die Veranstalter aus 2016 – wie z. B. Thomann – auch in Zukunft auf Falkensee?
Das hoffen wir natürlich. Derzeit lernen auch die auswärtigen Veranstalter, dass Falkensee nicht mit anderen Städten zu vergleichen ist. Dinge, die eventuell woanders problemlos funktionieren, haben hier manchmal Schwierigkeiten. Ich denke, die Programme und Themen werden angepasst und dann bleiben die Agenturen uns auch treu, denn mit der Zusammenarbeit zwischen Veranstaltern und uns gibt es keine Probleme.

Es scheint so, als würde auch Falkensee selbst langsam die Vorzüge der Stadthalle erkennen. Im Foyer gibt es immer mehr Vorträge und Diskussionsveranstaltungen, in der Halle werden Zeugnisse übergeben und Abibälle gefeiert. Lässt sich diese Schiene noch ausbauen?
Na klar – wir haben zum Beispiel eine Ärztekonferenz im Kalender. Und die Planung eines Kunstmarktes und einer Reptilienausstellung sind recht weit. Auch sonst sind wenige Grenzen gesetzt. Wir sind für alles, was räumlich möglich ist, offen.

Falkensee mit Hochzeits-, Eigenbau- und Praktikumsmesse: Wird Falkensee dank der neuen Stadthalle zum Messestandort neben Berlin?
Auch das ist nicht auszuschließen – wenn die Messeveranstalter hier Potenzial sehen, und die Aussteller zufrieden sind mit den Gesprächen und Zuschauerzahlen, werden sie wohl immer wiederkommen. Obwohl auch hier das Motto „Klasse statt Masse“ gelten sollte.

Hast du den Job des Veranstaltungsmanagers „für immer“ oder wird er alle paar Jahre neu ausgeschrieben?
Der Vertrag ist natürlich zeitlich begrenzt – wenn aber alle Entscheidungsträger mit unserer Arbeit zufrieden sind, wird dieser hoffentlich verlängert. Zum Schluss möchte ich mich noch beim Technik-Team der Halle für die Zusammenarbeit im letzten Jahr bedanken, denn diese Mitarbeiter sind, sobald die Produktion in der Halle ankommt, die Ansprechpartner vor Ort und sorgen auch bereits mit ihrer Vorbereitungsarbeit für reibungslose Abläufe. Man merkt also nach knapp einem Jahr: Die Rädchen greifen ineinander und und ich denke, alle Beteiligten freuen sich auf alles, was uns in den nächsten Jahren in der Halle erwarten wird.